Seit 400 v. Chr.

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Gemeinwohl in der Geschichte

Den Wert des Gemeinwohls gibt es, seit es Menschen gibt. Er ist in allen Kulturen anzutreffen. Als Begriff und Bestandteil der Philosophie, Ethik, Staatstheorie und Ökonomie zieht er sich von Beginn an durch die Geschichte der abendländischen Kultur.

340 - 300 V. CHR.: GRIECHISCHE ANTIKE
Platon schreibt in der Politeia: „Das Gemeinwohl stellt dabei die Funktion und das Ziel der politischen Gemeinschaft dar, in ihm verwirklichen sich die Bedürfnisse, die Interessen und das Glück aller Bürger durch ein tugendhaftes und gerechtes Leben.“
Aristoteles formuliert in Politik: „Bei allen Wissenschaften und Künsten ist ein Gut der Zweck; das höchste Gut ist in höchstem Grade Zweck in der allerhöchsten, d. h. in der Staatskunst. Das staatliche Gut aber ist das Recht, und dieses wiederum das Gemeinwohl.“ (Politik, III 12).

106 43 V. CHR. CICERO
„Das Wohl des Volkes soll oberstes Gesetz sein.“
(De legibus III, 3, 8)

13. JHDT.: THOMAS v. AQUIN
Thomas v. Aquin prägte in der Summa teologica den Satz: „Bonum commune melius quam bonus unus.“ Damit legt er den Grundstein für die Karriere des Gemeinwohl-Begriffs in der christlichen Soziallehre.

1712 – 1778: JEAN-JACQUES ROUSSEAU
Rousseau führte in seinem Hauptwerk „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes“ aus, dass die alleinige Grundlage legitimer politischer Macht nur der Gemeinwille sein kann, der immer das Gemeinwohl anstrebt.

1946: VERFASSUNG BAYERNS
Die Verfassung Bayerns wird 1946 in einer Volksabstimmung angenommen. Artikel 151 besagt: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl.“

2010: „GEMEINWOHL-ÖKONOMIE“
Nach knapp 2-jähriger Vorarbeit startet am 6. Oktober 2010 die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung in Wien, auf Basis des Buches „Gemeinwohl-Ökonomie“ von Christian Felber. Schon 2001 hatten Joachim Sikora und Günter Hoffmann „Visionen einer Gemeinwohl-Ökonomie“ verfasst. Auch die spanische Version der „Zivilökonomie“ von Stefano Zamagni/Luici Bruno (2012) heißt „Por una economía del bien común“ und auch der Franzose Jean Tirole hat eine „Economie du bien comun“ verfasst (2016).

2015: PAPST FRANZISKUS
Die Enzyklika "Laudato Si" ("Über die Sorge für das gemeinsame Haus”) geht auf die Umweltproblematik, das Wirtschaftssystem und die Frage der sozialen Gerechtigkeit ein. Das Wort "Gemeinwohl" kommt gezählte 25 Mal vor.

2016: WELTETHOS-INSTITUT
Der Direktor des Weltethos-Instituts, Claus Dierksmeier, hat die Philosophie- und Wirtschaftsgeschichte durchackert. Sein Resümee: „Von Aristoteles über Thomas von Aquin bis zu einschließlich Adam Smith bestand Konsens darüber, dass die ökonomische Theorie und Praxis sowohl legitimiert als auch begrenzt werden müssten durch ein übergeordnetes Ziel (Griechisch: telos) wie etwa das ‚Gemeinwohl‘.“
(„Reframing Economic Ethics. The Philosophical Fundament of Humanistic Ethics, Palgrave Macmillan, 2016, S. 35)