Schweiz

Unbezahlte Arbeit - Nachbarschaftsunterstützung und viel mehr

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Unbezahlte Arbeit ist für jede Familie, Gemeinschaften, Vereine, Institutionen und die ganze Gesellschaft enorm wichtig.

Ohne sie läuft gar nichts, ob im Haushalt, in der Betreuung/Pflege oder in der so wichtigen Freiwilligenarbeit. In 2016 wurden in der Schweiz 9,2 Mrd. Stunden unbezahlte Arbeit erbracht – 61,3% davon durch Frauen. An bezahlter Arbeit wurden hingegen nur 7,9 Mrd. Stunden erfasst – 61,6% Männer-Anteil. Der Wert der unbezahlten Arbeit wird mit immerhin 408 Mrd. CHF beziffert (44 CHF/Std.)

  • Hausarbeiten 76,5% (61,7% Frauenanteil)
  • Betreuungsaufgaben im eigenen Haushalt 16,3% (61,2% Frauenanteil)
  • Institutionalisierte Freiwilligenarbeit 2,4% (Sport- und Kultur-Vereine, sozial-karitative u. kirchliche Organisationen, Interessenvereinigungen, Öffentliche Dienste, Politische o. öffentliche Ämter, Politische Parteien / nur 43% Frauenanteil)
  • Informelle Freiwilligenarbeit 4,8% (Pflege / 64% Frauenanteil)

Quellen: https://www.srf.ch/news/wirtschaft/freiwillige-arbeit-in-der-schweiz-gibt-es-mehr-unbezahlte-arbeit-als-bezahlte https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/unbezahlte-arbeit.assetdetail.2922604.html

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Die Auswertungen zeigen, dass die Männer heute im Haushalt deutlich stärker mithelfen, als allgemein gemeint wird. Auffallend ist der relativ geringe Anteil «Freiwilligenarbeit» insgesamt – 7% bezogen auf unbezahlte Arbeit und 3,4% bzw. 2,7% (Frauen/Männer) auf die Arbeitsleistung insgesamt.

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Nun könnte man meinen, dass die «Freiwilligenarbeit» ab der Pensionierung deutlich steigen würde. Die Auswertung 65+ belegt dieses aber nicht, obwohl der Zeitaufwand für bezahlte Arbeit signifikant zurückgeht.

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Die Gemeinwohl-Ökonomie unterstützt Bestrebungen, dass die «Freiwilligenarbeit» insgesamt einen höheren Stellenwert erhält (inkl. höherer Wertschätzung in der Gesellschaft) und dass mehr Freiwilligenarbeit geleistet wird – speziell informelle. Unsere Gesellschaft wird immer älter (demografischer Wandel) und die Herausforderungen «Pflege» und «Einsamkeit vieler Menschen» wird immer brennender. Über «Freiwilligenarbeit» - speziell ab 65+, wenn i.d.R. mehr Zeit zur freien Verfügung steht – können wertvolle Beiträge für «gelingende Beziehungen» in der Nachbarschaft und in der Gemeinde erbracht werden.

Als Bewegung wenden wir uns gegen eine weitere «Ökonomisierung» der Freiwilligenarbeit. Solche Arbeiten geben SINN, fördern die Würde und Wertschätzung der beteiligten Menschen und ermöglichen Kooperation und gelebte Solidarität - zentrale Anliegen der Gemeinwohl-Ökonomie.

Ein gutes Beispiel für informelle Freiwilligenarbeit auf lokaler Ebene - genossenschaftlich organisiert:
KISS und assoziierte Genossenschaften, wie z.B. Zeitgut in Luzern bieten regional Nachbarschaftshilfe mit Zeitgutschriften an. Das heisst keine ärztlich verordneten Pflegeleistungen, diese werde von der Spitex erbracht.

  • Begleitung: umfasst Tätigkeiten, die ein Mensch nicht mehr allein erledigen kann, die nicht täglich benötigt werden und einen gewissen «Dienstleistungscharakter» haben – Einkaufen, Vorlesen, ...
  • Betreuung: umfasst Unterstützung, die i.d.R. täglich und regelmäßig erfolgen muss und zum elementaren Bedarf gehören – Frühstück zubereiten, Unterstützung beim Haarewaschen, Salbe einreiben und Arbeiten der niedersten, nicht medizinisch verordneten Pflegestufe

Der Vorteil dieses Konzepts sind die «Zeitgutschriften», die für die ehrenamtliche Arbeit erfasst werden

Geben und Nehmen von Mensch zu Mensch: Zeitvorsorge heisst direkte Unterstützung und Hilfe von Mensch zu Mensch. Durch die Begegnungen entstehen persönliche Beziehungen. Die Unterstützung anzunehmen ist zudem einfacher, wenn klar ist, dass die unterstützende Person in Form von Zeitgutschriften etwas dafür erhält.

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Leitbild

KISS-Genossenschafter*innen verbindet der Wunsch, auch im Fall von Krankheit, Unfall, Behinderung oder altersbedingten Einschränkungen möglichst selbstbestimmt daheim leben zu können und sich dabei gegenseitig zu helfen und zu unterstützen. Die dafür aufgewendete Zeit wird in den persönlichen Zeitkonten der Mitglieder verbucht.

Im Rahmen von Genossenschaften gestalten die Mitglieder die dazu notwendigen Bedingungen selbst und sorgen dafür, dass sie den Gegebenheiten und Bedürfnissen der Beteiligten im Laufe der Zeit immer wieder angepasst werden. Sie achten darauf, dass die Organisation einfach bleibt und die Genossenschaften in hohem Mass selbstbestimmt handeln können.

Die Genossenschaften teilen ihre Erfahrungen untereinander und erarbeiten und organisieren gemeinsam, was für einzelne Genossenschaften zu aufwendig oder nicht machbar ist. Der Gemeinschaftsgeist wird auf allen Ebenen von KISS gelebt.

KISS-Genossenschafter*innen engagieren sich freiwillig, selbstbestimmt und eigenverantwortlich. Sie gehören unterschiedlichen Altersgruppen, Konfessionen, Nationalitäten an und wünschen sich auf Augenhöhe  zu begegnen.  

Informationen zu den KISS Genossenschaften – www.kiss-zeit.ch und zur assoziierten Zeitgut Genossenschaft in Luzern - http://zeitgut.org