Weltfrauentag — Blick mit ein wenig Selbstkritik

GWÖ_Woche_Gruppenfoto.jpgQuelle: Roland Wiedemeyer

Heute ist Weltfrauentag. Dieser Tag steht für die Gleichberechtigung aller – dies ist auch einer der Werte der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ). In der Sprache der GWÖ kommt dies zum Ausdruck indem wir gendergerecht formulieren. In unseren eigenen Medien sind wir sehr bemüht für Parität zu sorgen, beispielsweise dadurch, dass in den Rubrikender Newsletter in denen ehrenamtlich und hauptamtlich Tätige porträtiert werden, möglichst abwechselnd Frauen und Männer zu Wort kommen.

"Zu Wort kommen" wie sieht es in diesem Bereich in der Realität der GWÖ aus? Sind die Redebeiträge von Frauen und Männern in etwa gleich lang? Sind die einzelnen Gruppen annähernd paritätisch besetzt und wie sieht es in den Führungspositionen der GWÖ aus?  Wie ist die Verteilung der Gehälter der hauptamtlich Tätigen? Handeln alle GWÖ-Aktiven tatsächlich im Sinne der Gleichberechtigung?
Anfang Februar gab es zu diesem Thema in der Süddeutschen Zeitung einen sehr interessanten Artikel von Viola Schenz mit dem Titel Frauen, ergreift das Wort!, in dem einige Studien zitiert werden. Soziolog*innen der Universität Princeton fanden heraus: "Je größer eine Gruppe, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Männer das Wort ergreifen. Wenn es mehr Männer als Frauen in einer Gruppe gibt, sinkt die durchschnittliche Redezeit einer Frau um ein Viertel bis zu einem Drittel. (...) Ähnliches beobachtet die Talkshow-erfahrene deutsch-türkische Schriftstellerin Hilal Sezgin: "(...) Männer im vorgerückten Alter geben jede noch so periphere Anekdote von sich."
Ausführungen wie diese rufen Erinnerungen an etliche GWÖ-Treffen und -Veranstaltungen wach! Ist diese Wahrnehmung subjektiv oder sind die GWÖ-Männer genauso wortgewaltig wie die Durchschnittsbevölkerung?

Hier das nicht-repräsentative Ergebnis am Beispiel eines Regionalgruppen-Treffens: Anwesend sind drei Frauen und elf Männer. Die fünf Redebeiträge der Frauen dauern durchschnittlich sieben Sekunden, wohingegen die vielen Beiträge der Männer im Durchschnitt 45 Sekunden lang sind.

Ein Blick auf Zahlen, Daten, Fakten der GWÖ gibt folgendes Bild:
•    Überregionale RG-Koordinator*innen 4 Frauen : 4 Männer
•    Koordinator*innen Regionalgruppen Deutschland 31 Frauen : 80 Männer
•    Koordinator*innen Regionalgruppen Österreich 6 Frauen : 13 Männer
•    Koordinator*innen Regionalgruppen Schweiz 1 Frau : 6 Männer
Daraus ergibt sich insgesamt in den Koordinations-Funktionen im Deutschsprachigen Raum 42 Frauen zu 103 Männern, eine Quote von 29% Frauen und 71% Männern.

Das Internationale Koordinationsteam, welches eine leitende Funktion innerhalb der Bewegung einnimmt, ist derzeit mit 0 Frauen und 3 Männern besetzt, im ECG Management Team arbeiten 1 Frau und 5 Männer.

Als angestellte oder freiberuflich Beschäftigte sind 6 Frauen und 12 Männer tätig, wovon die Geschäftsführungs-Positionen zu 100% in Männerhand sind. Die Gehaltsspreizung in Deutschland beträgt derzeit deutlich unter 1:2, es werden keine geschlechterspezifischen Unterschiede gemacht. (Zur Info: Gemäß Matrix 5.0 sollte die Gehaltspreizung innerhalb einer Organisation bei maximal 1:5 liegen. Das Gehalt sollte ein gutes Leben ermöglichen.)

Die Mitgliederzahlen im D/A/CH-Raum:
•    Deutschland: 183 Frauen : 352 Männer, also 34% zu 66%
•    Schweiz: 32 Frauen : 71 Männer, also 32% Frauen und 69% Männer.
•    Österreich: Leider liegen der Redaktion keine Zahlen vor.

Die nächste GWÖ-Radiosendung am 25. März 2019 beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema der Gleichberechtigung.