Gemeinden

Oberer_Vinschgau_Mals_01.jpgDie Gemeinden Mals, Laas, Latsch und Schlanders (Vintschgau, Südtirol) haben sich zur weltweit ersten Gemeinwohl-Region zusammengeschlossen.

Gemeinwohl-Gemeinde werden

Eine Gemeinde wird zur Gemeinwohl-Gemeinde, indem sie

  • den Gesamtprozess Gemeinwohl-Ökonomie per Gemeinderatsbeschluss unterstützt
  • mindestens eine der fünf unten aufgelisteten Aktivitäten unterstützt
  • und sich auf der Website des „Vereins zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie“ als als Unterstützer-Gemeinde einträgt.

Der „Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie“ hilft bei der Vorbereitung des Gemeinderatsbeschlusses. Das Engagement der Gemeinde kann durch eigene Ideen und Initiativen ergänzt und verstärkt werden.

Für jede der folgenden Aktivitäten gibt es ein „Löwenzahn-Sämchen“ (das Logo der Bewegung).
Wie bei Hotels oder Pensionen können bis zu fünf Sämchen erreicht werden:

1) Bilanz-Erstellung

im eigenen Verwaltungs- und Wirtschaftsteil der Gemeinde, in den gemeindeeigenen Betrieben und Unternehmen und deren Veröffentlichung.
Die einzelnen Schritte zur Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz für Gemeinden sind ident mit der "Gemeinwohl-Bilanz für Unternehmen"

Zur Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz für die Gemeinde bzw. die Region wurde speziell für Gemeinden eine eigene Matrix inkl. Handbuch ausgearbeitet. Die beiden Dokumente stehen hier zum Download zur Verfügung:
Handbuch zur Gemeinwohl-Bilanz für Gemeinden und Regionen
Gemeinwohl-Matrix für Gemeinden, Version 1.0 (November 2015)

In späterer Folge könnte das erzielte Gemeinwohl-Bilanz-Ergebnis Auswirkung auf die (EU-)Gemeindeförderungen und auf den Finanzausgleich haben:
Wenn eine Gemeinde viel für Mensch und Natur tut, soll sie auch entsprechende Erleichterungen gegenüber jenen Gemeinden genießen, die geringere Anstrengungen unternehmen.

2) Einladung an alle Unternehmen

die in der Gemeinde ansässig und tätig sind, die Gemeinwohl-Bilanz zu erstellen. Das macht diese „Pioniergruppe“ sichtbar und fördert sie nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten. Das reicht von einer jährlichen Feier zur Ehrung der Gemeinwohl-Unternehmen unter Sichtbarmachung besonderer Leistungen und inhaltlicher Diskussion gesellschaftpolitischer Grundlagen bis zum Vorrang für Unternehmen mit guten Gemeinwohl-Bilanz-Ergebnissen im öffentlichen Auftrag und Einkauf.

In einigen Regionen wurden Gruppen von Pionier-Unternehmen von BeraterInnen und AuditorInnen umfassend begleitet, von der Erst-Information über die Gemeinwohl-Ökonomie bis zur ersten auditierten Bilanz. Diese moderierten Gruppen könnten von der Gemeinde gefördert werden. Der Prozess mit kommunalen Unternehmen lässt sich auch gut in andere Prozesse, z.B. in einen LA 21- oder Regionalentwicklungsprozess, integrieren.

3) „Kommunaler Gemeinwohl-Index“

Förderung der Erstellung eines kommunalen Gemeinwohl-Index, einem Lebensqualitätsindex für Gemeinden, der sich auf der „Mesoebene“ zwischen Gemeinwohl-Produkt (Volkswirtschaft) und Gemeinwohl-Bilanz (Unternehmen) befindet. Der Index setzt sich aus den 20 wichtigsten Lebensqualitätsfaktoren zusammen, die in einem BürgerInnnbeteiligungsverfahren ermittelt werden. Der fertige Index könnte einmal jährlich in einer Befragung der Privat-Haushalte ermittelt oder gemessen werden. Im Unterschied zum Gemeinwohl-Produkt, das zumindest EU-weit einheitlich sein sollte, könnten die Gemeinwohl-Indexe von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sein (obwohl das eher unwahrscheinlich ist). Ziel ist nicht, dass eine Gemeinde „besser“ ist als eine andere, sondern dass sich eine Gemeinde in den ihr wichtigen Lebensqualitätsfaktoren verbessern möchte. Daran müssen sich die politischen Maßnahmen messen lassen.

4) „Kommunaler Wirtschaftskonvent“

Ermöglichung und Förderung eines Kommunalen Wirtschaftskonvents. In diesem ermitteln interessierte BürgerInnen die 20 wichtigsten Spielregeln, die das Wirtschafts-Geschehen rechtlich steuern sollen, teils auf kommunaler, teils auf Bundes- oder EU-Ebene. Sie könnten sich im Zeitraum eines Jahres zweimonatlich treffen, z.B.

  • zum Kennenlernen und Vorstellen des Settings
  • zur Ermittlung der zehn bis 20 Fragestellungen
  • zur Durchführung der Recherchen
  • zur Feinabstimmung der Ergebnisse
  • zur Abstimmung (nach der SK-Methode)
  • zur Nachbereitung und Beratung der weiteren Schritte (z. B. Einladung weiterer Gemeinden, Forderung eines bundesweiten oder EU-Konvents).

 Das „Prozessdesign für einen Kommunalen Wirtschaftskonvent“ wird vom Redaktionsteam im Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie ausgearbeitet. Aus dem Abhalten zahlreicher kommunaler Wirtschaftskonvente wird die Energie für einen bundesweiten oder EU-weiten Wirtschaftskonvent entstehen.

Leitfaden Kommunaler Wirtschaftskonvent - PDF 22 Seiten

Wenden Sie sich hierzu bitte an Seraina Seyffer unter konvent@ecogood.org

5) Zusammenschluss zu einer „Gemeinwohl-Region“

eines Landkreises, Bezirks, Viertels oder Bundeslandes (z. B. Mühlviertel, Vintschgau, Allgäu, Thurgau), der sich zum Ziel setzt, möglichst viele Gemeinden zu Gemeinwohl-Gemeinden zu machen und die Prozesse für Unternehmen regional zu steuern und zu fördern. Eine Gemeinwohl-Region kann - zusammen mit Gemeinwohl-Gemeinden - das jeweilige Bundesland auffordern, zu einem „Gemeinwohl-Land“ zu werden….

Wo gibt es schon Gemeinwohl-Gemeinden?

Schon 2011 haben die vier Vintschgauer Gemeinden Mals, Laas, Latsch und Schlanders (Südtirol) einen Schritt in Richtung Gemeinwohl-Gemeinde gemacht.

In Spanien zählen Miranda de Azán (Castilla León), Carcaboso (Estremadura) und Orendain (Baskenland) zu den Vorreitern. In der letztgenannten wurde die gesamte BürgerInnenschaft befragt, ob sie den Weg zur Gemeinwohl-Gemeinde einschlagen möchte. Die Wahlbeteiligung betrug 90%, die Zustimmung 89,6%.

2016 hat Sevilla einen Kooperationsvertrag mit dem andalusischen GWÖ-Förderverein unterzeichnet, durch den die viertgrößte Stadt Spaniens die Absicht erklärt, Gemeinwohl-Gemeinde zu werden und ein Kooperationsnetz mit weiteren europäischen Gemeinden zu gründen.

Für das Bundesland Salzburg liegt ein Gutachten für eine Gemeinwohl-Modellregion vor

Das Land Baden-Württemberg hat sich im aktuellen Regierungsprogramm verpflichtet, einen Landesbetrieb zu bilanzieren.

Stuttgart wird gleich vier Kommunalbetriebe bilanzieren lassen.

In Bayern streben Wessobrunn und weitere Gemeinden den Status Gemeinwohl-Gemeinde an.

Jüngste Entwicklung: Die beiden Vorarlberger Gemeinden Nenzing und Mäder befinden sich als erste österreichische Gemeinden auf dem Weg zur Gemeinwohl-Bilanz.Pressemitteiung zu Nenzing und Mäder (Vorarlberg)

Haben Sie Interesse?

Wenn Sie mehr über Gemeinwohl-Gemeinden erfahren möchten, wenden Sie sich bitte an Bernhard Oberrauch unter gemeinde@ecogood.org