Ennepe-Ruhr-Wupper

Filmvorführung "System Error" in der Lichtburg in Wetter (Ruhr)

Lichtburg Wetter (Ruhr), 12. September 2018
     
System_Error_Film.jpgTrailer Film "System Error"

 

Der Club of Rome hatte bereits 1972 eindrücklich auf die Grenzen des Wachstums hingewiesen: Auf einem endlichen Planeten kann man nicht unendlich wachsen. Haben die Thesen von Karl Marx heute noch Bestand? Der Kapitalismus – so hatte es Karl Marx vorausgesagt –  bestimme alle Lebensbereiche und diktiere ewigen Wachstumszwang. Umweltzerstörung, Klimawandel, das Schwinden von Ressourcen – der zweifache Grimme-Preisträger Florian Opitz hinterfragt unser krisenanfälliges, kapitalistisches System, das Wirtschaftswachstum für ein Naturgesetz hält, und sucht nach Alternativen. „System Error” erhielt den Preis „STZ Leserjury” der Stuttgarter Zeitung beim Deutschen Dokumentarfilmpreis 2018 (Text: Lichtburg Wetter (Ruhr)). 

Es ist verrückt: Wir sehen die schwindenden Regenwälder und Gletscher, wissen um die Endlichkeit der Natur und sind dennoch wie besessen vom Wirtschaftswachstum. Warum treiben wir das Wachstum immer weiter, obwohl wir wissen, dass man auf unserem endlichen Planeten nicht unendlich wachsen kann? "System Error" sucht Antworten auf diesen großen Widerspruch unserer Zeit und macht begreifbar, warum trotzdem alles so weiter geht wie gehabt. Der Film zeigt die Welt aus der Perspektive von Menschen, die von den Möglichkeiten des Kapitalismus fasziniert sind. Ob europäische Finanzstrategen, amerikanische Hedgefondsmanager oder brasilianische Fleischproduzenten: Eine Welt ohne eine expandierende Wirtschaft können, dürfen oder wollen sie sich gar nicht erst vorstellen. "System Error" beleuchtet bisher häufig verborgen gebliebene Zusammenhänge und legt die selbstzerstörerischen Zwänge des Systems offen - einem System, an dem wir alle teilhaben, als Beschäftigte, Anleger oder Konsumenten. Denn der Kapitalismus durchdringt unaufhörlich immer mehr Lebensbereiche, verschlingt die Natur und gräbt sich am Ende selbst das Wasser ab - so wie es Karl Marx schon vor 150 Jahren prophezeit hat. Die Frage ist: Sind wir tatsächlich bereit für den Kapitalismus alles zu opfern? (Text: Verleih)

Regisseur Florian Opitz setzt sich in seiner neuen Dokumentation mit dem Kapitalismus auseinander, der heute, wie es Karl Marx vorausgesagt hat, alle Lebensbereiche bestimmt und ewigen Wachstumszwang diktiert. Alle sehen, dass die Ressourcen der Erde schwinden und die Umwelt immer mehr kaputtgeht, aber trotzdem ist der Widerstand gegen die kapitalistische Art der Warenproduktion gering. In „System Error“ zeigt Opitz die Perspektive derjenigen Menschen, die den Kapitalismus bestimmen – und die ihn kritisieren. Er interviewt unter anderem: den Hedgefonds-Manager und ehemaligen Trump-Berater Anthony Scaramucci, den Chef von Airbus in China Eric Chen, den ehemaligen Hauptgeschäftsführer des Bundesverband der Deutschen Industrie Markus Kerber, den größten Hühnerproduzenten Brasiliens Carlos Capeletti und den Ökonom und Wachstumskritiker Tim Jackson (Text: Filmstarts.de).

Am Mittwoch, dem 12.09.2018, lief in der Lichtburg in Wetter (Ruhr) der Film "System Error". Der Film von Florian Opitz handelte von verschiedenen Charakteren eher schlichteren Gemüts, die alle dem Irrglauben unbegrenzten Wachstums anhängen. Wachstum gab es schon vor 5500 Jahren und wird es, so wird prophezeit, noch in 5500 Jahren geben. Man betrachte allein die vor uns stehenden Aufgaben wie die Bekämpfung von Krankheiten, die ewige Jugend oder die Eroberung des Weltalls. Schenkt man den Protagonisten des Films Glauben, scheint es einen Klimawandel nicht zu geben und alle 1.4 Milliarden Chinesen warten scheinbar nur darauf endlich mit einem Flugzeug nach Europa zu jetten, um unsere Kulturdenkmäler abzulichten. Ja, vor uns liegt eine rosige Zukunft mit viel Rendite und mächtig viel Grund zur Hoffnung! Mal ehrlich, wir stehen nicht auf der Seite der Wachstumsverächter (man ersetze dabei nur finanzielles Wachstum durch die neutraleren Begriffe gesellschaftliche Entwicklung und technologischer Fortschritt, was per se erstmal nichts schlechtes darstellt, aber möglichst Hand in Hand gehen sollte) und zelebrieren auch nicht den baldigen Weltuntergang, aber in der momentanen Form, in der mittelmäßig begabte Menschen unseren Planeten übernehmen wollen, kann es nicht weitergehen. Natürlich, ohne Markt geht es nicht. Ein Markt kann unterschiedlichste Güter, so zumindest in der Theorie, schnell und effizient bewerten. Knappe Güter werden entsprechend höher gehandelt, je nach Angebot und Nachfrage und Zahlungsbereitschaft. Da ethische oder ökologische Aspekte meist außen vor bleiben, ist dabei aber auch und gerade der mündige Konsument gefragt, der in der Lage ist zwischen "Gut" und "Böse" zu unterscheiden. Hier kann die Gemeinwohl-Ökonomie eine Alternative bieten, denn es werden gerade alle möglichen Handlungsfelder im Wirtschaftskreislauf beleuchtet wie z.B. "Wie gehe ich mit knappen Ressourcen um?", "Wie stehe ich in Bezug auf Nachhaltigkeit?", "Werden die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt?" und könnten, so die Vision der Gemeinwohl-Ökonomie, jedem Konsumenten in Form eines Labels auf dem Produkt angezeigt werden. Es gibt schon so viele wirkungsvolle Beispiele wie "Biosiegel", "Fairtrade", etc., warum nicht ein Siegel für Gemeinwohl? Für die Umsetzung unter Anderem dieses Konzepts arbeitet die Gemeinwohl-Ökonomie. Dem Irrglauben eines grenzenlosen Wachstums durch unersättliche Finanzoptimierer, denen es nur um Rendite geht, egal wie, egal wo, und umtriebiger Unternehmer, die noch im schmutzigsten Gewerbe Potential wittern, um andere und die Natur grenzenlos auszubeuten, muss ein Ende gesetzt werden. Wir alle sind gefragt. Wir dürfen den Finanzjongleuren nicht einfach das Feld überlassen. Es muss etwas geschehen...und zwar schnell! Der Film bringt auf den Punkt, was wir nicht gewagt hätten, auch nur zu denken oder anzunehmen!

(Autor: Olaf Kintzel)