Ennepe-Ruhr-Wupper

GWÖ und Werte

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Wir leben in einer Welt der Polaritäten, der Gegensätze:
  • Denken - Fühlen,
  • Materie - Geist,
  • Naturwissenschaften - Geisteswissenschaften,
  • Technik - Natur.

Indem wir eine Seite überbetonen, vernachlässigen wir die andere Seite. Der Mensch ist aber eine Ganzheit, ein Holon.

Für das praktische Handeln ist die humanistische Ethik letztbegründend. Werte sind Leitsterne oder Navigationspunkte, an die wir uns halten können. Religion als Hüter oder "Erfinder" der Werte ist eine kulturspezifische Ausformung und wird letztlich genährt vom Wunsch des Menschen nach Transzendenz, also dem Wunsch, zu etwas zu gehören, was größer, weiter und vermutlich wichtiger ist, als man selbst. Werte sind aber generell und universell gültig und faktisch unabhängig von jeder Religion.

Um dem Herzen als Zentrum umfassender individueller Weisheit zu folgen, reicht es, sich an die universalen Werte:

  • Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Präsenz,
  • Authentizität,
  • Empathie, Wertschätzung,
  • Reziprozität,
  • Kooperation,
  • Großzügigkeit,Teilen und
  • Verzeihen

zu halten.

Im täglichen Leben und besonders in der Wirtschaft gedeihen aber Anti-Werte wie:

  • Habsucht, Gier,
  • Neid, Eitelkeit,
  • Prahlen, Blenden, Lügen,
  • Rücksichtslosigkeit, Skrupellosigkeit und
  • strukturelle Gewalt.

Wenn auf die Stimme in unserem Herzen hören, dann vermeiden wir solche Anti-Werte.

Das kann auf verschiedene Weise geschehen. Ein erster Schritt ist Gewahrwerden der Universalität. Uni-Versum kommt von "ganz, zusammen". Tatsächlich ist das Universum, in dem wir leben, nichts weiter als ein Netz gegenseitiger Beziehungen. Die Wissenschaft meint, das Universum sei einfach so aus dem Nichts entstanden. Damit das funktioniert muss aber aus dem Einen Vieles werden und das geht offenbar nur, indem das Eine sich in Vielheiten aufspaltet. Letztlich ist also alles polar im Universum, d.h. dual oder reziprok.

Wenn aber die eine Seite zu sehr betont wird, dann entsteht Leere und die Vielfalt wird zerstört. Zur Zeit ist der Materialismus eine Art von Religionsersatz. Nach dessen Doktrin sind wir nur zufällig entstandene Wesen in einem unendlich weiten Universum aus lauter Galaxien, Sternen und Planeten. Wenn man der Logik des Materialismus folgt, gibt es keinen Plan und kein Ziel. Dies mündet direkt in die herrschende Moral des Kapitalismus: "Homo homini lupus", nach der alles erlaubt und machbar ist, wenn es den eigenen Interessen dient. Das Materielle spricht die Sprache des Kopfes und Bauches: Nutzenmaximierung und grenzenlose Selbstbehauptung. Das Geistige spricht die Sprache des Herzens: des Holons, der Liebe.

Unser Planet besteht aus einem Netz gegenseitiger Beziehungen. Alles baut aufeinander auf. Alles hängt voneinander ab. Indem wir versuchen der Erde durch unsere Technik unseren Willen aufzuzwingen, zerstören wir dieses Gleichgewicht. Indem wir der Mitwelt Gewalt antun, bekämpfen wir letztlich die Natur in uns selbst. Unser Planet Erde ist wie "Gaia" oder "Pachamama": ein lebender Organismus. Nichts kann entnommen oder hinzugefügt werden, ohne etwas anderes an anderer Stelle zu verändern oder zu vernichten. Alles ist Teil eines großen Ganzen. Wir sind Teil eines großen Ganzen.

Es gibt immer das Konstruktive und das Destruktive. Auch wir Menschen können nur überleben, indem wir die Natur für uns nutzen und dabei abbauen. Die Natur hat in einem begrenzten Maße aber die Fähigkeit sich selbst zu heilen. Dazu müssen die auf sie einwirkenden Kräfte jedoch nahezu im Gleichgewicht sein.

Da wir aber eine Ganzheit sind und alles reziprok und miteinander vernetzt ist, wirken wir durch unser Handeln auf die Natur auf uns selbst zurück. Das Leid der Natur, insbesondere der belebten Natur, hat eine Wirkung auf das kollektive Unbewusste und schürt Aggression, Gewalt und Schmerz im Menschen. Depression ist nichts weiter als Gewahrwerden des gesamten Leids, das wir der Natur antun. Tiefenökologie ist die bewusste geistige Haltung, in der wir unser Selbst auf alles Leben ausweiten, auf den ganzen Planeten, auf das Universum. Indem wir uns nicht als Mensch im Mittelpunkt stehen sehen, sondern die gesamte Schöpfung. Und wir den Schmerz der Schöpfung mitempfinden, wenn der Natur großes Leid angetan wird.

"Alles, was der Erde widerfährt, widerfährt auch den Söhnen und Töchtern der Welt"

Um dem Gesetz des Universums zu folgen, heißt es also, im Einklang zu leben mit dem, was machbar ist und dem, was auf keinen Fall gemacht werden sollte, wenn es dazu führt, dass der Mitwelt und damit letztlich auch uns selbst Schaden zugefügt wird. Um ein Gespür für das rechte Handeln zu finden, müssen wir die Stimme des Herzens in uns kultivieren, die Werte, und nicht die Anti-Werte, verinnerlichen und versuchen, etwas zu erreichen, indem wir untereinander in gelingenden Beziehungen verhandeln ohne einseitig Macht auszuüben, sei es durch Kapital oder Androhung und Ausübung von physischer oder psychischer Gewalt. Ein Mensch, der sich seiner Verantwortung für die Schöpfung gewahr und dieser gerecht wird, strebt eher nach Einheit anstatt nach Trennung und fördert eher Verbundenheit anstatt Egoismus und Rücksichtslosigkeit.

In unserer modernen westlichen Kultur müssen wir unsere Gefühle oft verdrängen, abtrennen oder abspalten, um mithalten zu können. Oftmals ist die von außen kommende erlebte Gewalt so stark, dass wir verkopfen oder in unseren Gefühlen verhärten und die Bindung zwischen der inneren und äußeren Natur verlieren und uns dabei von der universalen Quelle und Kraft entfernen. Heilwerden und Ganzwerden heißt Versöhnung mit uns selbst, den eigenen Bedürfnissen, Gefühlen, Intuitionen, Feinsinnen und Antennen. Es heißt Anbindung anstatt Abtrennung. Wir sind alle Resonanzkörper für die Melodie eines größeren Ganzen.

Ein zweiter wichtiger Schritt ist Infragestellung

  • des wissenschaftlichen Machbarkeitswahns,
  • des kapitalistischen Wachstumszwangs und
  • des unbedingten industriellen Fortschrittsglaubens.

Geld als alleiniger Zweck des Wirtschaftens führt geradewegs zu Anti-Werten. Geld sollte nur als Mittel zum Wirtschaften gesehen werden. Anstatt nur nach dem individuellen Wohl des Einzelnen zu schauen, sollte das Gemeinwohl gefördert werden. Zuallererst steht das Wohl unserer Mitwelt und unseres Planeten Erde, von denen wir nur ein Teil sind. Eher Kooperation und Teilen anstatt Konkurrenz und Egoismus.

Eine ethische Wirtschaft ist möglich!

(Autor: Olaf Kintzel)